EU-Minister sagen Übergewicht den Kampf an! Was nun, Frau Schmidt?

(openPR) - Die Gesundheitsminister der EU haben dem Übergewicht den Kampf angesagt. Innerhalb der EU leiden nach Angaben von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt etwa drei Millionen Menschen an Fettleibigkeit.

Quelle: ZM-online >>>
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"Das müssen wir ändern", sagte Ulla Schmidt bei der EU-Gesundheitsministerkonferenz in Badenweiler. Dickleibigkeit könne nicht nur zu Gesundheitsschäden führen, sondern verschlinge auch große Summen und es stellt sich in der Tat die Frage, wie das Problem der „Dickleibigkeit“ zu lösen ist.

Bereits im Zuge der Nichtraucher-Debatte haben wir auf einen Beitrag von Paul Kirchhof verwiesen, der die Pflicht zur gesunden Lebensführung thematisiert. Auch Kirchhof hat beispielhaft darauf hingewiesen, dass die Zahl der kardiologischen Betten beachtlich reduziert werden, wenn das Gewicht eines jeden Bundesbürgers jeden Monat durch einen staatlichen Gesundheitskommissar geprüft werden würde. Im Zuge der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ergeben sich hier vielfältige Modelle, über die die Politiker intensiv nachdenken können. Z.B. könnte im Rahmen eines halbjährlichen Pflichtbesuchs das Gewicht als ein wesentlicher Parameter erfasst und somit beim nächsten Arztbesuch abgeglichen werden. Nach Abzug einer gewissen Toleranzschwelle wäre dann der Patient verpflichtet, unter strenger Kontrolle seinen individuellen Diätplan umzusetzen, anderenfalls er mit einer finanziellen Mitbeteiligung zu seiner höchst persönlichen Behandlung zu rechnen hat. Die finanzwirtschaftliche Mitverantwortung des Patienten sei nach Kirchhof nicht ausgeschlossen und unserer Gesundheitsministerin eröffnen sich völlig neue Perspektiven, um so auf das Staatsvolk unter Wahrung ihrer verfassungsrechtlichen Individualrechte auf Gesundheit gesundheitspädagogisch einwirken zu können. Andererseits gilt dies freilich auch für die „Dünnen“ in unserer Gesellschaft. Auch diese müssen sich dem nicht manipulierbaren Ergebnis einer Waage stellen und im Zweifel ihr Gewicht entsprechend dem idealtypischen Index erhöhen. Sollte dies nicht gelingen, tragen sie auch im Zweifel die aus ihrer Unterernährung folgenden finanzwirtschaftlichen Lasten.

Bei der Aufgabe, das Medizinbudget zu entlasten, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt und die Regierungskoalition sollte diesbezüglich einen Wettbewerb ausloben, in dem Vorschläge zur Gesundheitserziehung der Bürger eingereicht werden können. Dem Gewinner winkt dann ein Wellnesswochenende und ein Jahr Beitragsfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Ein Wort sei noch in eigener Sache gestattet: es ermangelt mir nicht an der gebotenen Ernsthaftigkeit, aber es scheint sich schleichend tatsächlich eine neue Kultur des Maßes einzustellen, in der zunächst die subjektive Befindlichkeit der Bevölkerung „angetestet“ wird, um dann mit aller Macht die Fragen der Rationierung medizinischer Leistungen diskutieren zu können. So steht zu befürchten an, dass in der Zukunft etwa das künstliche Hüftgelenk des hochbetagten Alterspatienten in weite Ferne rückt und darüber zu entscheiden ist, ob eine Operation überhaupt noch zwingend notwendig ist, mal ganz von der Problematik der Wachkoma-Patienten abgesehen.

Lutz Barth

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