Gesundheitsexperten: Ausgaben für Prävention sind wichtiger als solche für Kuration
(openPR) - Die jetzige und auch alle früheren Gesundheitsreformen haben die massiven Interessenkonflikte um Finanzierungsströme im Gesundheitssystem zwischen Fach- und Hausärzten, Krankenhäusern, Pharmaindustrie und Apotheken verdeutlicht. Der Anteil am GKV-Ausgabenkuchen für die einzelnen Leistungsanbieter wird sehr viel eher bestimmt von der Durchschlagskraft ihrer Lobbyisten als von Effizienz- und Nutzenberechnungen oder Patienteninteressen. Doch wie sähe es aus, wenn man dieses politische Hintertür-Gerangel außer Kraft setzt und Mediziner und Gesundheitsexperten frei entscheiden ließe, welche medizinischen und pflegerischen Leistungen vorrangig und welche mit eher hinterer Priorität zu finanzieren sind?
Diese Fragestellung hat ein Forscherteam aus England und Australien im Rahmen eines u.a. von der WHO finanzierten Projektes aufgegriffen. Sie befragten dazu rund 250 Teilnehmer an einem WHO-Kongress. Sie alle bekamen einen Fragebogen, auf dem 10 verschiedene Maßnahmen der Gesundheitsversorgung aufgelistet waren und sollten diese in eine Rangfolge von 1-10 bringen, je nachdem, für wie wichtig sie die einzelnen Leistungen hielten. Die 10 Maßnahmen waren:
1.) Krankheitsverhütung bei Kindern (z.B. Impfungen)
2.) Nichtraucher-Kampagnen für Kinder
3.) Hausärztliche medizinische Versorgung bei alltäglichen Erkrankungen
4.) Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchungen (Screening)
5.) Intensivpflege für Säuglinge nach der Geburt
6.) Unterstützung für pflegende Angehörige
7.) Behandlung schizophrener Patienten
8.) Versorgung mit künstlichen Hüftgelenken
9.) Herztransplantationen
10.) Krebstherapien für Raucher
Die Maßnahmen waren in einer völlig anderen Reihenfolge als in der obigen Liste vorgegeben. Diese Liste gibt jedoch wieder, in welcher Reihenfolge die Befragungsteilnehmer die einzelnen Leistungen nach ihrer Wichtigkeit einstuften. Danach zeigt sich also unter dem Strich, dass präventive Maßnahmen und insbesondere Leistungen für Kinder ganz vorne rangieren. Weit hinten finden sich Therapien zur Verlängerung des Lebens oder zur Verbesserung der Lebensqualität. Zwischen den beteiligten Ländern fanden sich auch einige Unterschiede, etwa, was die Einstufung der Maßnahmen zur Therapie schizophrener Patienten anbetraf. Unter dem Strich fanden die Wissenschaftler jedoch eine sehr hohe Übereinstimmung.
Zur gesundheitspolitischen Bedeutung ihrer Studie hoben die Wissenschaftler hervor, dass die Prioritätensetzung der befragten Experten in krassem Widerspruch steht zu den tatsächlich zu beobachtenden Finanzierungsströmen für die Gesundheitsversorgung: "Diese starke und übereinstimmend höhere Gewichtung präventiver gegenüber kurativen Leistungen steht in erheblichem Widerspruch zu den tatsächlichen Finanzierungsprioritäten in den meisten Ländern der Welt. Im Jahre 2004 entfielen bei den OECD-Mitgliedsstaaten lediglich 2.8 Prozent der öffentlichen und privaten Gesundheitsausgaben auf Präventionsprogramme."
Weitere Informationen zur Studie:
www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/index501.htm
Dr. Bernard Braun
Parkallee 39
28209 Bremen
Tel. 0421-218-4359
Email: redaktion@forum-gesundheitspolitik.de
FORUM GESUNDHEITSPOLITIK ist eine private Initiative, die von gesundheitspolitisch engagierten Wissenschaftlern getragen wird. Zielsetzung ist eine fundiertere Information der Öffentlichkeit und insbesondere von Wissenschaftlern und Journalisten, Studenten/innen und politischen Entscheidungsträgern über gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, gesetzliche Veränderungen in diesem Bereich sowie Ansprüche der Bevölkerung an das Gesundheitssystem. Die Website verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen.
Dieser Artikel wurde veröffentlicht auf
OpenPR - http://openpr.de/news/121323/Gesundheitsexperten-Ausgaben-fuer-Praevention-sind-wichtiger-als-solche-fuer-Kuration.html