Hamburger Klinik-Daten zur Versorgungsqualität: Für Patienten mehr Verwirrspiel als Entscheidungshilfe

(openPR) - Nachdem im vergangenen Jahr erstmals mit dem "Klinik-Führer Rhein-Ruhr" Krankenhäuser einer Region Daten zu ihrer Versorgungsqualität in Buchform veröffentlicht haben, ist jetzt der "Hamburger Krankenhausspiegel" nachgezogen und hat im Internet wichtige Informationen für Patienten zur Auswahl eines Krankenhauses in Hamburg veröffentlicht. Es werden Indikatoren für vier besonders häufig vorkommende medizinische Eingriffe veröffentlicht: Gallenblasenoperationen, Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks, Brustkrebsoperationen und Herzkatheter-Untersuchungen. Schon in Kürze sollen jedoch weitere Klinikeingriffe dokumentiert werden (Herzschrittmacher, künstliche Kniegelenke, Operationen an der Halsschlagader, Brüche des Schenkelhalses und Geburtshilfe), so dass dann Informationen zu den neun häufigsten Krankenhaus-Operationen und Untersuchungen vorliegen.

An dem Projekt beteiligt sind insgesamt 19 Kliniken, die fast die komplette stationäre Krankenversorgung (90%) der Hansestadt abdecken. Projektpartner sind neben der Techniker Krankenkasse die Ärztekammer Hamburg und die Verbraucherzentrale Hamburg. Im Internet für jedermann abrufbar sind nun neben der Zahl der durchgeführten Eingriffe auch verschiedene Indikatoren der Versorgungsqualität, und dies im direkten Vergleich der einzelnen Krankenhäuser.

Vergleicht man die Informationen im "Hamburger Krankenhaus-Spiegel" mit den inhaltlich dürftigen, wenngleich mit Zahlen und Worten ungeheuer aufgeblähten, für Patienten unübersichtlichen und oft unverständlichen Darstellungen der "Strukturierten Qualitätsberichte" der Krankenhäuser, die seit dem vergangenen Jahr für Krankenhäuser verpflichtend sind, so sind tatsächlich einige Fortschritte erkennbar. Es werden nicht Angaben zur zu Betten-, Personal- und Fallzahlen, zur apparativen und therapeutischen Ausstattung gemacht, sondern es wird der für Patienten zentrale Aspekt behandelt: Arbeitet das Krankenhaus in hochwertiger Qualität, so dass der medizinische Eingriff mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu einer Besserung meiner Beschwerden führt?

Allerdings sind die Fortschritte bei näherer Betrachtung dann doch eher bescheiden. Auch für den Hamburger Krankenhausspiegel ist jene Kritik zutreffend, die unlängst in einer Expertise für die Bertelsmann Stiftung "Bedarf an Patienteninformationen über das Krankenhaus - Eine Literaturanalyse erstellt von Prof. Dr. Doris Schaeffer" formuliert wurde: Patienteninformationen sind bislang nach Prinzipien gestaltet, die Experten des Gesundheitswesens aus ihrer wissenschaftlichen Perspektive für Patienten und Nutzer für wichtig erachten, sind also mehr an der Outsiderperspektive (Experten, Mediziner, Wissenschaftler) als der Insiderperspektive (Patienten) orientiert.

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Dr. Bernard Braun
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