IG Metall startet Zeitarbeitskrieg zum Kampf gegen Mitgliederschwund: Equal-Pay/-Treatment statt Tarifvertrag
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(openPR) - Die IG Metall in Nordrhein-Westfalen (IGM NRW) ruft mit Ihrer Aktion "Zeitarbeit - Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" zum Kampf gegen die Zeitarbeit auf und kündigt damit faktisch ihre Tarifpartnerschaft im Rahmen der DGB-Tarifgemeinschaft mit den Zeitarbeitsverbänden iGZ e.V. und BZA e.V. !
Die Forderung der IG Metall NRW auf 6,5 % mehr Lohn in der aktuellen Tarifrunde ist nicht alles, was auf der Agenda der IG Metall steht.
Öffentlicher Kampfaufruf der IG Metall gegen Zeitarbeitstarifverträge und für „Equal-Pay“ und „Equal-Treatment“!
Die Abschlussrede von Jörg Weigand (Sekretär der Bezirksleitung IGM NRW und Projektleiter Zeitarbeit/prekäre Arbeitsverhältnisse) auf der Gewerkschaftsveranstaltung in Oberhausen am 07.02.2007 zeigt unmissverständlich den Weg der IG Metall im Bereich der Zeitarbeit.
Dort ruft die IG Metall klar und entschlossen zum Kampf gegen die Zeitarbeit und die Zeitarbeitstarife auf, die Sie selbst mit den Arbeitgeberverbänden iGZ und BZA als Tarifpartner noch vor einem Jahr vereinbar haben.
"Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Gäste,
Wir sind entschlossen Zeitarbeit in unserem Organisationsbereich nachhaltig zu verändern. Und wir sind entschlossen, die Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern betrieblich zu führen. Zeitarbeit ist zu oft Teil einer "Billiger-Strategie" zu Lasten und auf Kosten der Menschen. Sie weisen uns gerne darauf hin, dass sie Tariflöhne zahlen würden und beziehen sich auf die DGB Tarifverträge für die Zeitarbeit (die Red.: die von der IG Metall bisher mitgetragen und unterzeichnet wurden). Aber sie wissen genau, wie diese Tarifverträge zustande gekommen sind. Vor allem lassen sie aber keine Gelegenheit aus, die Zeitarbeitsunternehmen massiv unter Preisdruck zu setzen und heizen damit die Tarifkonkurrenz an. ... "
"Und auch das sei vorab gesagt: Fachleute und Spezialisten werden weit über den DGB Tarif bezahlt. Hier regeln Angebot und Nachfrage den Preis der Arbeit. Hier sind die Arbeitgeber schon heute bereit für gleiche Arbeit gleichen Lohn zu zahlen."
Doch geht der Aufruf der Gewerkschaften noch deutlich weiter:
"Nutzt sofort Eure Mitbestimmungsmöglichkeiten in vollem Umfang. Stellt fest, wo im Betrieb Zeitarbeiter beschäftigt werden und informiert die IG Metall vor Ort über die Zeitarbeit in eurem Betrieb. Und fordert Euren Arbeitgeber auf euch die Zeitarbeitsfirmen und deren Tarifbindung zu nennen, die in eurem Betrieb eingesetzt werden. Falls da Zeitarbeitsfirmen dabei sein sollten, die den 'Christentarif' anwenden, sorgt dafür, dass diese Firmen rausfliegen. Besucht die Zeitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen in eurem Betrieb. Sprecht mit Ihnen über ihre Arbeitbedingungen und ihre Sorgen und Nöte. Informiert sie über unsere Kampagne Gleiche Arbeit - Gleiches Geld und nehmt sie in die IG Metall auf."
IG Metall als "Judas" in den DGB-Reihen kein Zeitarbeitstarifpartner mehr ?
Dass mit diesen Äußerungen die IG Metall klar und deutlich ihre Abkehr von der bisherigen Tarifpolitik im Bereich der Zeitarbeit verkündet und als künftiger Teilhaber der DGB-Tarifgemeinschaft für den Zeitarbeitsbereich ausscheidet, ist sicherlich ohne Zweifel. Denn ein Mitglied in den Reihen des Tarifpartners, der eine klare Absage an den weiteren Abschluss von Tarifverträgen mit der Zeitarbeit artikuliert und den gesetzlichen Gleichstellungsgrundsatz ("Equal-Pay" und "Equal-Treatment") fordert, ist sicherlich kein Tarifvertragspartner mehr. Will die Arbeitgeberseite, d.h. die Zeitarbeitsverbände iGZ e.V. und BZA e.V. noch glaubhaft bleiben und sich nicht lächerlich machen, können mit einem derartigen "Judas" in den Reihen ihres Tarifpartners keine Tarifverhandlung mehr geführt werden.
Dass der Aufruf der IG Metall nicht nur eine Drohung ist, sondern der Start einer klaren Kampagne zeigt die abschließende Aussage von Jörg Weigand am 07.02.2007 in Oberhausen: "Die Kampagne Gleiche Arbeit - Gleiches Geld ist hiermit gestartet."
Mindestlohn-Tarifvertrag der DGB-Gewerkschaften noch ausreichend gewichtig?
Nachdem bereits Transnet aus der DGB-Tarifgemeinschaft ausgeschieden sind, stellt sich die Frage nach den Folgen der Tarifvertragsabkehr durch die IG Metall als eine der größten bzw. Mitglieder stärksten Gewerkschaften in der DGB-Tarifgemeinschaft. Inwieweit hat der von der Tarifgemeinschaft vor etwa einem Jahr abgeschlossene Mindestlohntarifvertrag, der mit der Allgemein-verbindlicherklärung in Kraft treten soll, noch tatsächlich ausreichend Gewicht, um auch tatsächlich für allgemeinverbindlich erklärt zu werden?
Genau dies ist aber auch deshalb zweifelhaft, da nach aktuell der Redaktion von Personalundwissen.de vorliegenden Zahlen die Mehrzahl der Zeitarbeitsunternehmen keinen DGB-Tarifvertrag anwenden und die von den Arbeitgeberverbänden iGZ e.V. und BZA e.V. hochgerechneten DGB-tarifgebundenen Zeitarbeitnehmern lediglich Schätzungen bzw. Zahlenspiele ohne faktische Basis darstellen.
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