Verein gegen betrügerisches Einschenken: Führungswechsel bei den Bier-Sheriffs - Bisheriger Pressesprecher tritt Nachfolge an
VGBE - Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V. - Bier-Sheriffs
(openPR) - München, 12. Dezember 2006. Beim Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V. erfolgt zum Jahresende ein kompletter Wechsel in der Führung. Der langjährige Präsident Eder kündigte seinen Rückzug aus der aktiven Vereinsarbeit an, ebenso wie dessen Vize Jakob Sailer. „Nach 37 Jahren aktiver Vereinsarbeit und fast 17 Jahren als Präsident, ist es Zeit, dass Jüngere den Verein übernehmen“, begründet Sigi Eder (62) seinen Rücktritt. Sigi Eder gehörte zu den Gründungsmitgliedern und war seit 1970 im Vorstand des Vereins aktiv. 1990 übernahm Eder das Präsidentenamt. Die Nachfolge Eders tritt der bisherige Pressesprecher Jan-Ulrich Bittlinger (32) an.
Eder zählte mit dem Volksschauspieler Rudi Scheibengraber zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gegen betrügerisches Einschenken im Jahr 1970. Damit nahm der wohl älteste Verbraucherschutzverein Bayerns nach dem Verbot im Dritten Reich wieder seine Arbeit auf. Schon im Jahr 1899 war der „Verband zur Bekämpfung betrügerischen Einschenkens e.V. Sitz München“ gegründet worden. Mit Eder und Sailer errang der Verein 1984 einen durchschlagenden Erfolg. Der Steinkrug (Keferloher) wurde durch den Glaskrug abgelöst. Seitdem ist das Rätselraten vorbei, ob die Maß gut oder schlecht eingeschenkt ist, die Schankmoral hat sich freilich nur unwesentlich verbessert. Auch das soziale Engagement für Behinderte und Bedürftige geht auf eine Initiative von Sigi Eder zurück, der 1990 dies in der Satzung des Vereins verankern ließ.
„Der Verein hat unter Sigi Eder eine Menge erreicht“, findet dessen Nachfolger im Amt des Präsidenten, Jan-Ulrich Bittlinger. „Dank des Führungsduos Eder/Sailer hat der Verein heute über 4.000 Mitglieder“. Eder wird sich nicht ganz aus der Vereinsarbeit zurückziehen. Vielmehr sieht er seine Aufgabe darin, sich beim monatlichen Vereinsstammtisch im Hofbräuhaus um die Pflege der Mitglieder zu kümmern. „Der VGBE ist in der glücklichen Lage keine Nachwuchsprobleme zu haben“, so Eder. „Und natürlich stehe ich dem Verein weiterhin mit Rat und Tat zur Seite“.
Am 04. Januar 2007 findet im Büro des Münchner Oberbürgermeisters die Verabschiedung von Sigi Eder und Jakob Sailer statt. „Darauf freue ich mich schon sehr“, so Eder. „Immerhin ist Christian Ude einer unserer wichtigsten Mitstreiter im Kampf gegen das betrügerische Einschenken.“ Über seinen Nachfolger Bittlinger sagt Eder: „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen und ich bin mir absolut sicher, dass ich den Verein in zuverlässige Hände übergebe.“ Bittlinger ist seit 1999 Mitglied des Vereins und war seitdem für die Presse- und Kampagnenarbeit des VGBE verantwortlich. Der zweifache Familienvater, Chef einer Eventagentur und Betreiber eines Internet-Portals möchte den Verein in der bekannten Weise weiterführen: „Viel Herz für die Mitglieder, Traditionsbewusstsein und ein starker Gerechtigkeitssinn im Kampf für die gut eingeschenkte Maß Bier, sind Grundlage unseres Erfolgs.“ Für Bittlinger bedeutet das neue Amt viel: „Das ist das schönste Amt neben dem Münchner Oberbürgermeister“.
Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V.
Jan-Ulrich Bittlinger
Trimburgstraße 3
Tel. 089-20 60 41 417
Fax 089-20 60 41 414
j.bittlinger@vgbe.de
Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V.
Geschichte
Bierpreis, Bierqualität und Biersteuer waren schon um 1840 Gegenstand heftiger Diskussionen bei den Konsumenten auf der einen Seite und den Brauern auf der anderen Seite. In "Bierzeitungen" wurde über die Qualität des täglichen Suds und des Schankbiers der Wirtshäuser berichtet.
1899 gründete sich der "Verband zur Bekämpfung betrügerischen Einschenkens e.V. Sitz München". Sein Ziel war schon damals, den Überschank bzw. den Schanknutzen der Schenkkellner und Wirte zu bekämpfen. Kam es doch vor, dass Münchner Hirschen statt 200 Maß bis zu 280 Maß entlockt wurden.
Das betrügerische Einschenken war ein leidenschaftliches Thema dieser Zeit, gefolgt und begleitet von Bierdetektiven in den Schankburgen, Großgaststätten, Biergärten und natürlich auf dem Oktoberfest, wie auch erste Ansätze von Seiten der Behörden und angerufener Gerichte.
Ganze Erfinderscharen versuchten das Problem des zu wenig eingeschenkten Keferloher (Steinkrug) mit Mess- und Kontrollgeräten zu lösen.
Zwar zeigten die Bemühungen des Verbandes zur Bekämpfung des betrügerischen Einschenkens um 1910 erste Erfolge, der große Durchbruch blieb jedoch aus.
Die Folgen des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie die politischen Tagesthemen der Weimarer Republik und der NS-Zeit ließen den Streit um das richtige Einschenken in den Hintergrund geraten, zumal die Nazis den Verband verboten.
Die ehrbaren Streiter für die ehrliche Maß ließen nicht locker. Am 9. September 1970 gründete der Volksschauspieler Rudi Scheibengraber und der jetzige Präsident Sigi Eder den "Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V." (VGBE). Unterstützung erhielt der Verein in den ersten Tagen von der Münchner Tageszeitung tz und dem damaligen Süddeutschen Rundfunk. Die Mitgliederzahl des Vereins stieg schnell auf 1000 an.
Anfang 1984 errang der Verein einen wichtigen Sieg im Kampf um die gut eingeschenkte Maß. Auf Betreiben des VGBE löste der Glaskrug den steinernen Keferloher ab. Seitdem ist zumindest das Rätselraten vorbei, ob die Maß gut oder schlecht eingeschenkt ist.
Doch die Einführung des sogenannten "Euro-Krugs" vermochte nicht die Schankmoral der Schenkkellner nachhaltig zu verbessern. Nach wie vor gehört die schlecht eingeschenkte Maß zu den Problemen in Biergärten, Gaststätten und auf dem Oktoberfest. Denn bereits 0,1 Liter weniger im Maßkrug, also lediglich eine Zeigefingerbreite, beschert den Wiesn-Wirten bei 6 Mio. verkaufter Maß einen satten Gewinn von 4,2 Mio. Euro.
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